Gamescom 2026 Hands-on: CONTROL Resonant angespielt – Remedys Nahkampf-Action-RPG
TL;DR – Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:
- Radikaler Genrewandel: Remedy verabschiedet sich vom Third-Person-Shooter und liefert mit CONTROL Resonant ein kompromissloses, stylisches Nahkampf-Action-RPG.
- Neuer Protagonist: Jesse Faden übergibt die spielbare Hauptrolle an ihren Bruder Dylan, bleibt aber als zentrale Figur der Handlung erhalten.
- Formwandelnder Nahkampf: Die Schusswaffe weicht dem Artefakt Aberrant, das sich fließend in Äxte, Doppelklingen, Sensen, riesige Hämmer und Bohrer transformiert.
- Adrenalingeladenes Kampfsystem: Kein Blocken, kein Heilen auf Knopfdruck – Lebenspunkte gibt es nur durch offensive Kills. Perfektes Ausweichen löst Zeitlupenphasen aus.
- Gravitations-Freiheit: Dylan kann nahtlos an Wänden und Decken entlangsprinten, um Luftangriffe und vertikale Bosskämpfe zu dominieren.
- Verzerrtes Manhattan: Statt reiner Innenräume erkundest du weitläufige, surreal verbogene Stadtzonen mit Checkpoints, Schimmel-Befall und Metroidvania-Elementen.
- Release-Termin: Der digitale Launch erfolgt am 24. September 2026 für PC, PS5 und Xbox Series X|S, die physische Version folgt am 15. Oktober 2026.
Remedy Entertainment steht seit jeher für mutige Experimente im Storytelling, doch was das finnische Entwicklerstudio auf der Gamescom 2026 präsentierte, sprengt alle bisherigen Erwartungen. Während sich vor den Hallen des Kölner Messegeländes rekordverdächtige Menschenmassen drängten und Fans bis zu fünf Stunden ausharrten, konnten wir uns am Stand von Publisher Level Infinite in Halle 6.1 direkt an eine der Teststationen setzen. Eine volle Stunde lang hatten wir die Gelegenheit, den Controller selbst in die Hand zu nehmen und die Fortsetzung auf Herz und Nieren zu prüfen.
Schon nach wenigen Minuten an der Konsole wurde klar: CONTROL Resonant ist keine einfache Fortführung des gefeierten Hits von 2019. Die Entwickler vollziehen einen radikalen Kurswechsel und transformieren das übernatürliche Abenteuer in ein pfeilschnelles, unbarmherziges Melee-Action-RPG, das sich vor Genre-Schwergewichten wie Devil May Cry keineswegs verstecken muss.
Dylan Faden erwacht: Ein brutaler Wachwechsel
Die Handlung knüpft unmittelbar an die Geschehnisse des Vorgängers an, dreht die gewohnte Rollenverteilung jedoch komplett um. Jesse Faden tritt als spielbare Heldin zurück und übergibt die Kontrolle an ihren Bruder Dylan. Nach jahrelanger Quarantäne und zermürbenden Experimenten durch das Federal Bureau of Control (FBC) bricht die Eindämmung des Ältesten Hauses vollends zusammen. Die bösartigen Zischer (Hiss) und der aggressive Schimmel (The Mold) entweichen ungebremst an die Oberfläche und überrollen die Millionenmetropole New York.
Unser Anspieltermin startete direkt mit einem narrativen Paukenschlag: In einer düsteren Sequenz wird Dylan im Bureau von Jesse höchstpersönlich mit dem formwandelnden Artefakt Aberrant durchbohrt. Kurz darauf erwacht er in seiner Zelle, kämpft sich durch die zerstörten Korridore der FBC-Zentrale und tritt hinaus auf die Straßen Manhattans. Jesse verschwindet jedoch nicht von der Bildfläche; während deiner Reise trittst du regelmäßig in direkten Dialog mit ihr, um frische Fähigkeiten zu erlernen und die tieferen Geheimnisse eurer familiären Bindung aufzudecken. Unterstützt wirst du bei deinem Einsatz vor Ort zudem von Interimsleiterin Emily Pope und der engagierten Agentin Zoe.
Surreale Zonenarchitektur: Manhattan im dimensionalen Kollaps
Vergiss das traditionelle Bild von Manhattan: Die Metropole wird im Spiel von einer gewaltigen kosmischen Anomalie dekonstruiert. Wolkenkratzer knicken in präzisen 90-Grad-Winkeln ab, gigantische Asphaltplatten schweben bewegungslos über Abgründen und reglose Silhouetten am Himmel verdunkeln die Sonne. Remedy verzichtet bewusst auf eine monotone Open-World und setzt stattdessen auf weitläufige, clever miteinander verknüpfte Zonen, die von befestigten FBC-Checkpoints gesichert werden.
Dynamische Tag-Nacht-Zyklen suchst du vergebens – jeder Distrikt besitzt stattdessen eine maßgeschneiderte, von der jeweiligen dimensionalen Verzerrung geprägte Licht- und Wetterstimmung. Das Fortschrittssystem orientiert sich an klassischen Metroidvania-Tugenden, kombiniert diese jedoch mit einem spannenden Vertrauenssystem: Neue Wege öffnen sich nicht nur durch Sicherheitskarten und Mobilitäts-Upgrades, sondern auch dadurch, wie sehr du das Vertrauen überlebender FBC-Einheiten und NPCs durch deine Taten gewinnst.
Besonders intensiv erlebten wir die Schimmel-Zonen, wie etwa einen komplett überwucherten Abschnitt des Central Parks. Die Luft ist geschwängert von blau schimmernden Sporen, die auf normale Menschen wie ein berauschendes Narkotikum wirken. Um die Fährte des dortigen Gebietsbosses aufzunehmen, muss Dylan selbst von den Substanzen kosten. Dieser psychedelische Rausch eröffnet dir völlig neue Dialogoptionen bei Begegnungen mit lethargischen Zivilisten, die zwar dein Ansehen modulieren, die Rahmenhandlung aber geradlinig vorantreiben.
Das neue Nahkampf-Arsenal: Die Verwandlungskraft des Aberrant
Die größte Umgewöhnung erwartet dich beim Kampfsystem: Die transformierbare Dienstwaffe (Service Weapon) aus dem Erstling ist Geschichte. Konventionelle Schusswaffen existieren im Repertoire von Dylan schlichtweg nicht mehr. Stattdessen schwingst du den Aberrant, eine lebendige Nahkampfwaffe, die sich mitten in der Bewegungskette blitzschnell in unterschiedlichste Tötungswerkzeuge verwandelt.
| Waffenform (Morph) | Rolle im Gefecht | Taktischer Nutzen & Synergien |
| Einhand-Axt (One-Handed Axe) | Ausgewogener Allrounder | Bietet flüssige Kombos, ein solides Angriffstempo und die perfekte Balance aus Schadensoutput und Kontrolle. |
| Doppelklingen (Dual Blades) | Schnelle Klingenserien | Extrem hohes Angriffstempo, erhöht passiv die Chance auf kritische Treffer und glänzt besonders bei Luftmanövern. |
| Sense (Scythe) | Flächendeckende Kontrolle | Weit ausholende Rundumschläge, um heranstürmende Gegnergruppen effektiv auf Distanz zu halten. |
| Zweihand-Hammer (Two-Handed Hammer) | Wuchtige Niederschläge | Erzeugt massive Schockwellen im Boden und zertrümmert feindliche Verteidigungshaltungen im Handumdrehen. |
| Bohrer (Drill-Transformation) | Haltungsbrecher | Dringt mit brachialer Rotationskraft in Gegner ein und treibt deren Falter-Balken massiv in die Höhe. |
| Kombo-Finisher & Sekundärformen | Situative Modifikatoren | Erlaubt dynamische Übergänge in Reichweiten-Peitschen, schwere Schlaghandschuhe oder schwirrende Wurfklingen. |
Verteidigung ist zwecklos: Offensive als einzige Überlebenschance
Wer in Deckung geht, verliert. Remedy hat defensive Standardmechaniken wie Blocken oder Parieren komplett aus dem Spiel verbannt. Deine primäre Abwehr ist ein punktgenaues Ausweichmanöver: Führst du einen sogenannten Perfect Dodge im letzten Moment aus, friert die Welt für einen kurzen Wimpernschlag in Zeitlupe ein, was dir ein ideales Angriffsfenster verschafft.
Noch dramatischer gestaltet sich das Überleben: Es gibt keinerlei Heiltränke oder Verbandszeug. Dylan regeneriert seine Vitalität ausschließlich durch das Töten von Monstern, die im Moment ihres Todes leuchtend blaue Heilungs-Orbs fallen lassen. Zögerst du im Angesicht sinkender Lebensenergie, ist das dein sicheres Urteil – nur wer stur nach vorne stürmt, bleibt am Leben.
Unterhalb der Lebensleiste jedes Kontrahenten befindet sich zudem ein gelber Haltungsbalken (Falter-Meter). Füllst du diese Leiste durch gezielte Wuchtangriffe, bricht die Haltung des Ziels zusammen. Ein Druck auf den linken Analogstick (L3) löst daraufhin einen absolut spektakulären, bildschirmfüllenden Finisher aus. Unterstützt wird dieser offensive Spielfluss durch den Dominanz-Effekt: Jeder erledigte Fußsoldat verleiht dir einen spürbaren Angriffsschub. Im Hands-on zeigte sich schnell der beste Rhythmus: Schalte schwächere Begleiter gezielt aus, nutze deren Schadensbuff und zerschmettere anschließend zähe Elitebrocken – wie den rüsselbewehrten, Minen legenden Riesenfeind – in Rekordzeit.
Über die Schultertasten greifst du parallel auf deine paranatürlichen Talente zurück, die an eine sich regenerierende Energieleiste gekoppelt sind:
- R1 (Push): Ein kinetischer Stoß, der heranpreschende Widersacher augenblicklich von den Beinen holt.
- R2 (Ignite): Entfesselt verheerende Hitzewellen, die Feinde in Brand setzen und kontinuierlichen Schaden anrichten.
- L2 (Barrage): Reißt Trümmerstücke und Asphaltblöcke aus dem Boden und feuert sie als zerstörerische Salve ab, was Haltungsbalken im Nu dezimiert.
- Vertikale Freiheit: Dylan kann nahtlos an Wänden und Decken entlangrennen. Das erlaubt Sturzangriffe aus dem toten Winkel und hebt die Positionierung in Arenen auf eine völlig neue Ebene.
Der Generationensprung: Control (2019) im Vergleich zu CONTROL Resonant (2026)
Wie stark sich die Spielerfahrung im Vergleich zum ersten Teil verändert hat, wird im direkten Gegenüberstellen der Mechaniken deutlich:
| Feature & Mechanik | Control (2019) | CONTROL Resonant (2026) |
| Spielbare Hauptfigur | Jesse Faden | Dylan Faden |
| Waffenarsenal | Projektil-Dienstwaffe (Service Weapon) | Formwandelnde Nahkampfwaffe (Aberrant) |
| Kampfstil | Kinetischer Third-Person-Shooter | Schnelles Melee-Action-RPG / Stylish Action |
| Lebensregeneration | Partikelaufsammeln bei Treffern | Blaue Orbs ausschließlich durch vollständige Kills |
| Defensive Taktik | Schild-Barriere, Schweben, Dash | Kein Blocken; Perfect Dodge mit Zeitlupen-Trigger |
| Gegnerkontrolle | Schilddurchschlag, Gedankenkontrolle | Gelbes Falter-System (Stagger) & L3-Finisher |
| Schauplatz | Das Älteste Haus (Brutalistisches Gebäude) | Zonenbasiertes, surreal verzerrtes Manhattan |
| Mobilität | Sprinten, Schweben, Ground Slam | Doppelsprung, Air Dash, Schwerkraft-Wandläufe |
| Hub-System | FBC-Kontrollpunkte im Gebäude | The Gap (jederzeitige Zwischendimension) |
The Gap und der Resonant-Zyklus: Flexibler Charakterbau
Auch rollenspielseitig zeigt sich Remedy angenehm modern. Hältst du auf dem Steuerkreuz die Taste nach unten gedrückt, wechselt das Spielgeschehen ohne jeglichen Ladebildschirm in The Gap – eine surreale Zwischendimension, die dir als persönlicher Rückzugsort dient. Hier modifizierst du Artefakte und schaltest neue Skills in den Talentbäumen der einzelnen Waffenmorphs frei.
Das Beste daran: Sämtliche Talentpunkte lassen sich in The Gap jederzeit vollkommen kostenlos neu verteilen. Du kannst deinen Build vor schweren Gefechten exakt anpassen; erst wenn du den Zwischenraum verlässt, wird die Ausrüstung für den kommenden Einsatz fixiert.
Die namensgebenden Hauptgegner sind die sogenannten Resonants. Bis auf den ersten und den finalen Endboss kannst du diese Kolosse in völlig freier Reihenfolge jagen. Doch Vorsicht: Jeder errungene Sieg schaltet zwar neue Kräfte frei, löst aber gleichzeitig den Resonant Cycle aus. Dieser Zyklus verändert die Welt spürbar – bereits gesäuberte Straßenabschnitte werden von mutierten, ungleich aggressiveren Varianten neu besiedelt und das Gesamtniveau zieht merklich an.
Wie packend sich das anfühlt, durften wir im Showdown gegen The Collective erleben – eine gigantische Schimmelkreatur in den Tiefen der New Yorker U-Bahn-Schächte. Ihr pulsierender Kern aus weinenden Fratzen ist gegen Frontalangriffe immun. Erst indem wir an den Schachtwänden emporliefen, konnten wir die dort verankerten Biomasse-Tentakel kappen, während von der Decke Sporen herabregneten. Wurden die Tentakel durchtrennt, lag der verwundbare Kern für schwere Hammerhiebe offen.
Next-Gen-Technik, Soundtrack und Versionen
Technisch setzt Remedy auf eine runderneuerte Fassung der hauseigenen Northlight Engine. Auf dem PC glänzt der Titel mit voller Unterstützung für NVIDIA DLSS 4.5 und vollständiges Pfad-Tracing (Full Path Tracing), was die surrealen Spiegelungen in gekrümmten Pfützen und die dichten Sporenpartikel atemberaubend in Szene setzt. Auf der PlayStation 5 und Xbox Series X|S hast du die Wahl zwischen einem Qualitätsmodus (native 4K-Rekonstruktion, Raytracing bei 30 FPS) und einem butterweichen Performance-Modus, der 60 FPS für präzise Ausweichmanöver garantiert.
Akustisch schlägt das Spiel ebenfalls neue Wege ein: In Kooperation mit der finnischen Musikerin Vilma Jää, Songwriter Teemu Brunila und Produzent Jurek entstand ein unkonventioneller Soundtrack, der finnisch-ugrischen Ethno-Gesang mit treibenden Electro-Beats fusioniert. Der Track Manalan Mailla untermalt die bizarre Stadtkulisse perfekt. Begleitend dazu zeigte Tencent auf der Kölner Kunstausstellung Worlds of Play in der Wassermannhalle bereits spannende Konzeptentwürfe und Modelle aus der Entstehungsphase des Titels.
Dank der Koproduktion mit Annapurna Pictures bringt Remedy das Spiel in eigener Regie auf den Markt. Hier findest du die verschiedenen Editionen im Überblick:
- Standard Edition (59,99 €): Erscheint digital für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S sowie als Cloud-Fassung via GeForce NOW. Vorbesteller erhalten das Artefakt Pickpocket’s Tool und das Hiss-Corruption-Outfit für Dylan (auf PS5 gibt es zusätzlich das exklusive Okkult-Outfit).
- Digital Deluxe Edition (69,99 €): Enthält neben den Vorbesteller-Boni das AWE-Missionsoutfit, das Artefakt Untapped Wallet, ein Starter-Ressourcenpaket, das digitale Artbook und den Soundtrack. Auf der PS5 winkt zudem ein 48-stündiger Vorabzugang (Early Access).
- SteelBook® Edition (ca. 69,99 €): Die physische Handelsfassung für Konsolensammler erscheint am 15. Oktober 2026 inklusive Spiel-Disc, SteelBook®, drei edlen Kunstdrucken und einem doppelseitigen Key-Art-Poster. Eine native macOS-Version folgt zu einem späteren Zeitpunkt über Steam und den Mac App Store.
Fazit nach dem Hands-on: Ein gewagter, aber meisterhafter Coup
Was Remedy Entertainment mit CONTROL Resonant wagt, verdient größten Respekt. Statt auf Nummer sicher zu gehen und Jesse mit einer neuen Schusswaffe durch weitere Bürogänge zu schicken, wirft das finnische Team altbekannte Konventionen über Bord. Das Ergebnis unseres Anspieltermins hinterließ pure Begeisterung: Der blitzschnelle Wechsel zwischen Axt, Klingen und Sense, der permanente Zwang zur Offensive und die spielerische Leichtigkeit, mit der Dylan über Hauswände sprintet, greifen nahtlos ineinander.
Das fraktale New York bietet die perfekte Bühne für diese übernatürliche Stylish-Action. Wenn das finale Spiel das hohe Tempo, die atmosphärische Wucht und die Boss-Brillanz der Gamescom-Demo über die gesamte Spielzeit halten kann, erwartet uns am 24. September 2026 ein echter Meilenstein des modernen Action-Genres.





