Gedonia 2: Warum dieses RPG eure Freizeit für die nächsten Monate fressen könnte!
TL;DR – Das Wichtigste in aller Kürze
Ihr wollt nicht den ganzen Roman lesen? Hier ist die Zusammenfassung für Eilige:
- Das Konzept: Ein Open-World-RPG, das sich anfühlt wie eine Mischung aus World of Warcraft (Grafikstil), Zelda: Breath of the Wild (Erkundung) und klassischem DnD (Charaktertiefe).
- Der Gamechanger: Nahtloser 4-Spieler-Online-Koop. Keine Instanzen, keine Grenzen. Die ganze Welt gehört euch und eurem Trupp.
- Keine Klassen: Ihr seid nicht Krieger ODER Magier. Ihr seid das, was ihr skillt. Ein schwer gepanzerter Nekromant mit Bogen? Machbar.
- Das Update (Januar 2026): Die neue Zone „Berkmere Ravine“ bringt Fraktionskriege, Reittiere (Husbandry-Skill) und Großschwerter.
- Die Technik: Es ist Early Access und Indie. Erwartet „Jank“, gelegentliche Glitches und Animationen, die nicht immer AAA-Niveau haben. Dafür läuft es selbst auf Toastern flüssig.
- Das Fazit: Wer Gameplay über Grafikglanz stellt, findet hier eines der besten Sandbox-RPGs der letzten Jahre.
Es gibt diese Spiele, die man startet, um „nur mal kurz reinzuschauen“, und plötzlich zwitschern die Vögel draußen, die Sonne geht auf und man realisiert, dass man acht Stunden lang versucht hat, den perfekten Hybrid aus Blutmagier und Dieb zu bauen. Gedonia 2 ist genau so ein Biest. Nach dem Überraschungserfolg des Vorgängers hat Entwickler Oleg Kazakov nicht einfach nur mehr vom Gleichen geliefert, sondern das Fundament komplett neu gegossen.
Wir haben uns durch die Alpha, den Start des Early Access im März 2025 und nun durch das brandneue Update gekämpft, um euch diesen ultimativen Guide zu präsentieren. Wir schauen uns jeden Stein um, analysieren jeden Skilltree und verraten euch, ob sich der Kauf lohnt.
Die Philosophie der absoluten Freiheit
In einer Zeit, in der uns Spiele wie Assassin’s Creed mit Map-Markern zukleistern und uns an der Hand durch cineastische Schläuche führen, wirkt Gedonia 2 fast schon rebellisch. Es sagt: „Hier ist eine Welt. Viel Glück.“ Diese Design-Philosophie erinnert stark an Klassiker wie Gothic oder Morrowind.
Die Low-Poly-Optik mag auf den ersten Blick abschreckend wirken, wenn man Unreal Engine 5 Grafik gewohnt ist. Aber lasst euch nicht täuschen: Dieser Stil ist Mittel zum Zweck. Er erlaubt eine Weitsicht, die ihresgleichen sucht, und sorgt dafür, dass die Rechenleistung dort landet, wo sie hingehört – in den komplexen Systemen unter der Haube.
Insider-Wissen: Anders als im ersten Teil sind die Flugmechaniken komplett überarbeitet worden. Statt einfach „Fliegen“ zu lernen, ist die Fortbewegung nun an Skillbäume gekoppelt. Wer als Sturmmagier die Winde beherrscht, reist anders als ein Druide in Tiergestalt.
Der Charakter-Baukasten – Euer Wille geschehe
Das Herzstück von Gedonia 2 ist das Charaktersystem. Vergesst starre Klassen. Ihr startet als unbeschriebenes Blatt. Eure Identität formt sich durch das Verteilen von Attributspunkten (Stärke, Geschicklichkeit, Intelligenz, Charisma) und das Freischalten von Nodes in gigantischen Skillbäumen.
Die Anatomie eines Helden
Jeder Skilltree umfasst mittlerweile zwischen 80 und 100 Nodes (im Vergleich zu ca. 25 im ersten Teil). Das ermöglicht eine Granularität, die Theory-Craftern Freudentränen in die Augen treibt.
1. Der Weg der Stärke (Melee & Defense)
Hier geht es nicht nur ums Draufhauen. Die neuen Waffenarten, insbesondere die mit dem „Berkmere Ravine“-Update eingeführten Großschwerter (Greatswords), haben das Meta verändert. Ihr könnt nun Wucht mit Parieren kombinieren oder euch voll auf „Spin-to-Win“ konzentrieren. Das Block-System fühlt sich wuchtiger an; Schilde sind nicht mehr nur Stat-Sticks, sondern aktive Lebensretter.
2. Die Pfade der Magie (Intellect)
Magie in Gedonia 2 ist unterteilt in vier Hauptschulen, die alle eigene Mechaniken haben:
- Sturmmagie: Fokus auf Mobilität und CC (Crowd Control). Ihr könnt euch auf Winde schwingen und Gegner zurückstoßen. Neu ist der Zauber „Blizzard“, der riesige Areale einfriert.
- Erdmagie: Defensive und Zonenkontrolle. Erschafft Wände, um Bogenschützen Schutz zu bieten.
- Naturmagie: Heilung und DoTs (Damage over Time) durch Gifte.
- Dunkle Magie / Nekromantie: Der Fan-Favorit. Beschwört Skelette, die für euch kämpfen, und nutzt Blutmagie, um Leben zu opfern für massiven Schaden.
3. Agilität & Schatten (Agility)
Bogenschießen erfordert nun echtes Zielen und berücksichtigt die Flugbahn der Pfeile stärker. Dolch-Kämpfer profitieren von einem überarbeiteten Stealth-System, das Sichtlinien und Geräusche logischer einbezieht. Kritische Treffer sind hier das A und O.
4. Der Anführer (Charisma)
Ein oft unterschätzter Baum. Mit genug Charisma seid ihr nie allein. Ihr könnt den neuen „Squad Node“ freischalten, der euch erlaubt, NPCs nicht nur temporär, sondern permanent zu rekrutieren. Eure Party wird so zur Privatarmee. Dazu kommen Buff-Songs, die im Multiplayer unverzichtbar sind.
Das neue „Husbandry“-System und Reittiere
Lange haben wir gewartet, im Januar 2026 kam es endlich: Das Husbandry-Update (Tierzucht/Zähmen). Dies ist ein komplett neuer Skilltree, der das Spielgefühl drastisch ändert.
Früher musstet ihr laufen oder euch teleportieren. Jetzt könnt ihr die Wildnis von Gedonia zähmen. Aber es ist nicht wie in Pokémon, wo ihr einfach einen Ball werft. Ihr müsst das Vertrauen der Tiere gewinnen. Füttern, Pflegen und Schützen sind essenziell.
- Berittener Kampf: Ihr könnt nun vom Pferd (oder Bären!) aus kämpfen. Das ermöglicht Hit-and-Run Taktiken für Bogenschützen und Lanzenreiter.
- Pet-Evolution: Eure Begleiter leveln mit. Ein einfacher Wolf kann zu einem Alpha-Raubtier werden, das eigene Skills besitzt.
Die Welt und die neuen Zonen
Die Map ist riesig und in verschiedene Biome unterteilt, die Level-Ranges zugeordnet sind. Wir sind einmal quer durchgereist.
Die Startgebiete (Level 1-20)
In den Green Vales und dem Golden Forest lernt ihr die Grundlagen. Hier ist die Welt noch idyllisch, bunt und relativ verzeihlich. Doch schon hier merkt man: Die Welt ist handgebaut. Jede Höhle hat einen Zweck, jeder Turm eine Geschichte.
Die Mittlere Herausforderung (Level 20-30)
Hier wird es ernst. Die Endless Fields und die Desert of Gedonia testen euren Build auf Herz und Nieren. Habt ihr genug Wasser dabei? Habt ihr Resistenzen gegen Hitze? Survival-Elemente spielen eine leichte, aber spürbare Rolle.
Neu: Berkmere Ravine (Level 22-24+)
Das Prunkstück des aktuellen Updates. Diese Schlucht ist nicht nur ein optisches Highlight mit ihren steilen Klippen und düsteren Wäldern, sondern auch narrativ das dichteste Gebiet bisher. Hier tobt ein Krieg.
„In Berkmere müsst ihr wählen: Dient ihr der ehrenhaften, aber arroganten Gortel-Familie? Oder schließt ihr euch den ‚Bone Gatherers‘ an, einer Sekte von Nekromanten unter Lich Victor Manford, die den Tod als Erlösung sehen?“
Diese Entscheidung ist nicht kosmetisch. Sie verändert, welche Händler euch bedienen, welche Quests verfügbar sind und sogar, welche Gegner-Mobs in der Zone spawnen. Das ist dynamisches Storytelling par excellence.
Koop – Gemeinsam gegen den Rest der Welt
Der wohl größte Kritikpunkt am ersten Teil war das Fehlen eines echten Multiplayers. Gedonia 2 liefert hier voll ab. Bis zu vier Spieler können nahtlos zusammen spielen. Und wenn wir nahtlos sagen, meinen wir das auch.
Es gibt keine „Host-Only“-Fortschrittsbremsen. Wenn ihr eine Quest abschließt, zählt sie für alle (sofern alle im gleichen Stadium sind). Das Scaling der Gegner funktioniert überraschend gut. Ein Boss, der im Singleplayer eine Herausforderung ist, bekommt im 4er-Koop neue Mechaniken und deutlich mehr HP, sodass er nicht einfach in Sekunden schmilzt.
Pro-Tipp für Gruppen: Synergien nutzen! Ein Erdmagier kann Wände errichten, die Gegner blockieren, während der Feuermagier Flächenschaden über die Mauer regnen lässt und der Tank an der einzigen Öffnung steht. Solche Taktiken sind im späteren Spielverlauf (ab Level 30+) überlebenswichtig.
Handwerk und Wirtschaft – Der Crafting-Loop
Manche lieben es, manche hassen es: Crafting ist in Gedonia 2 tief mit den Attributen verwurzelt. Wer hohe Intelligenz hat, ist ein besserer Verzauberer und Alchemist. Das hat für Kritik gesorgt, da reine Nahkämpfer (Stärke) oft das Nachsehen beim Herstellen magischer Rüstungen haben.
Die Lösung der Community? Der Respec-Trank. Es ist mittlerweile gängige Praxis, Materialien zu sammeln, einen Trank des Vergessens zu trinken, alles auf Intelligenz zu skillen, das Gear für die nächsten 10 Level zu craften und dann wieder auf Kampf zu skillen. Etwas umständlich, aber effektiv.
Das Crafting selbst ist lohnend. Selbstgebaute Ausrüstung ist oft stärker als Loot, da ihr genau bestimmen könnt, welche Stats drauf sind. Besonders Alchemie und Kochen sind im Early Game essenziell, da Heiltränke teuer und Mana knapp ist.
Origins – Wer seid ihr wirklich?
Bei der Charaktererstellung wählt ihr nicht nur Aussehen, sondern auch eine Herkunft (Origin). Diese waren zu Beginn des Early Access noch recht oberflächlich, wurden aber massiv ausgebaut.
Besonders spannend ist der „Mysterious Stranger“ Origin. Mit dem neuesten Update wurde dessen Storyline weitergeführt. Ihr habt einen Begleiter, der euch schattenhaft folgt und kommentiert. Wer ist er? Warum folgt er euch? Die neuen Quests geben Hinweise auf eine Verbindung zu den alten Göttern Gedonias. Diese persönliche Note gibt dem Sandbox-Erlebnis einen roten Faden, den man jederzeit aufgreifen oder ignorieren kann.
Technik, Bugs und der „Eurojank“-Faktor
Wir müssen den Elefanten im Raum ansprechen. Gedonia 2 ist ein ambitioniertes Indie-Projekt. Das Team ist winzig im Vergleich zu Bethesda oder Bioware. Das resultiert in dem, was wir liebevoll „Eurojank“ nennen (auch wenn der Entwickler nicht unbedingt aus Mitteleuropa stammt, das Gefühl ist dasselbe).
- Animationen: Sie sind besser als in Teil 1, wirken aber oft noch steif. Das Trefferfeedback im Nahkampf könnte „saftiger“ sein.
- Glitches: Rechnet damit, dass mal ein NPC in der Wand steckt oder eine Quest nicht triggert, bis ihr das Spiel neu ladet.
- UI: Das Interface wurde mit Patch 0.25 überarbeitet und ist nun aufgeräumter, wirkt aber immer noch zweckmäßig und wenig elegant.
Aber wisst ihr was? Es stört kaum. Denn das Gameplay ist so fesselnd, dass man über schwebende Büsche gerne hinwegsieht. Zudem ist die Performance extrem stabil. Lange Ladezeiten gibt es kaum, und selbst auf dem Steam Deck läuft das Spiel butterweich.
Ausblick und Roadmap
Wir befinden uns im Jahr 2026, ca. 10 Monate nach EA-Start. Was kommt noch? Der Entwickler hat angekündigt, dass die Gebiete Poisonous Swamp und Darklands als nächste große Erweiterungen anstehen. Das Level-Cap soll bis zum Full Release auf 50 (oder höher) steigen.
Zudem wird an einem verbesserten Dungeon-System gearbeitet, das prozedurale Elemente mit handgebauten Boss-Räumen mischt, um das Endgame (den sogenannten „Grind“) spannender zu gestalten.
Fazit: Ein Rohdiamant für Entdecker
Gedonia 2 ist eines dieser Spiele, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Wenn man nur auf Grafik oder Animationen schaut, wirkt es veraltet. Aber sobald man in die Systeme eintaucht, die Synergien der Skills entdeckt und mit Freunden eine Festung stürmt, entfaltet sich eine Magie, die modernen Blockbustern oft fehlt.
Es ist die Freiheit. Die Freiheit, Fehler zu machen. Die Freiheit, einen völlig absurden Charakter zu bauen, der funktioniert. Die Freiheit, die Geschichte durch Taten zu schreiben und nicht durch Dialog-Optionen.
Für den Preis von knapp 15-20 Euro (je nach Sale) bekommt ihr hier hunderte Stunden Content. Wer über technische Ecken und Kanten hinwegsehen kann und das Herz eines Old-School-Rollenspielers in sich trägt, für den ist Gedonia 2 kein Kann, sondern ein Muss.
Kaufempfehlung:
✅ Kaufen, wenn ihr Gothic, Morrowind oder Outward liebt und gerne experimentiert.
❌ Warten, wenn ihr hochpolierte Cutscenes und bugfreie AAA-Erfahrung erwartet.
Wir sehen uns in Gedonia – egal ob als strahlender Paladin der Gortel-Familie oder als finsterer Nekromant im Sumpf!





