Wenn „Resident Evil“ auf russischen B-Movie-Charme trifft – Ein Survival-Horror-Trip der anderen Art
TL;DR: Ebola Village ist ein Phänomen. Es ist dreist, es ist ungeschliffen und es kopiert Resident Evil so offensichtlich, dass man fast von einer Parodie ausgehen könnte. Doch unter der Haube aus Standard-Assets und fragwürdigen Übersetzungen steckt ein Survival-Horror-Spiel, das den Geist der 90er Jahre überraschend kompetent einfängt. Wer über Hölzerne Animationen und „Eurojank“ hinwegsehen kann, findet hier für rund 15 Euro einen atmosphärischen, wenn auch kurzen Horror-Trip (ca. 4-6 Stunden) durch ein sowjetisches Dorf, der Fans von Silent Hill und Resident Evil zumindest ein nostalgisches Grinsen ins Gesicht zaubern wird. Erwartet kein Triple-A, erwartet Trash-Gold.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung: „Wir haben Resident Evil zu Hause“
- 2. Die Story: Maria, Ruslan und der biologische Albtraum
- 3. Gameplay: Eine Zeitreise in die 90er
- 4. Rätsel-Guide & Lösungen: Wenn die Logik Urlaub macht
- 5. Technik und Atmosphäre: Unreal Engine trifft Indie-Budget
- 6. Die Kontroverse: Plagiat oder Hommage?
- 7. Der Film zum Spiel
- 8. Fazit: Ein Fest für Trash-Horror-Fans
- Disclosure
1. Einleitung: „Wir haben Resident Evil zu Hause“
Wenn du in den letzten Wochen durch die Neuerscheinungen auf Steam oder im PlayStation Store gescrollt hast, bist du vielleicht über ein Logo gestolpert, das dir verdächtig bekannt vorkam. Die Schriftart, die Farbe, das Wort „Village“ – ja, Ebola Village macht absolut keinen Hehl daraus, woher die „Inspiration“ stammt. Entwickelt von Indie Games Studio (ja, die heißen wirklich so) und veröffentlicht von Axyos Games, ist dieser Titel der neueste Eintrag in der berüchtigten „Ebola“-Reihe, die seit 2019 existiert.
Aber ist es nur ein billiger „Asset-Flip“, um schnelle Klicks abzugreifen, oder steckt Herzblut darin? Ich habe mich für euch in den verseuchten Sumpf gewagt, habe russische Kräuter gemischt und bin vor Texturen geflohen, die direkt aus der PS2-Ära stammen könnten, um diese Frage zu beantworten. Schnallt euch an, wir reisen in die UdSSR.

2. Die Story: Maria, Ruslan und der biologische Albtraum
Die Prämisse ist so klassisch wie hanebüchen. Du schlüpfst in die Rolle von Maria. Alles beginnt in ihrer Wohnung. Du sitzt vor dem Fernseher, schaust deine Lieblingsserie, als plötzlich das Programm unterbrochen wird. Eine Eilmeldung: Eine biologische Bedrohung breitet sich aus. Panik? Nicht bei Maria. Ihr erster Gedanke gilt ihrem Ex-Mann Ruslan und ihrer Mutter, die in einem abgelegenen Dorf leben.
Ohne Zögern (und nachdem wir ein unnötig kompliziertes Sicherungskasten-Rätsel gelöst haben, nur um die Wohnung zu verlassen), setzt du dich ins Auto und fährst los. Was du findest, ist kein gemütliches Kaffeekränzchen, sondern ein Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint – und in dem die Bewohner nun ja… sagen wir, sie haben einen gesunden Appetit auf Menschenfleisch entwickelt.
Die Charaktere
- Maria: Unsere Protagonistin. Furchtlos, aber manchmal fragwürdig in ihren Entscheidungen. Warum sie eine Taschenlampe hat, aber sich weigert, dunkle Räume ohne Deckenlicht zu betreten, bleibt ihr Geheimnis.
- Ruslan: Der Ex-Mann. Ein ehemaliger Militär, der mit seiner eigenen Krankheit kämpft und tief in die Verschwörung verwickelt zu sein scheint.
- Die Mutter: Der Grund für unseren Ausflug. Ihr Schicksal ist der emotionale Anker der (Trash-)Handlung.

Die Story wird durch Notizen, Dialogfetzen (mit herrlich schlechter Übersetzung) und Umgebungserzählungen vorangetrieben. Es geht um geheime Labore, Vertuschungen und natürlich das titelgebende Virus (auch wenn es mit dem echten Ebola wenig zu tun hat und eher Zombies erzeugt).
3. Gameplay: Eine Zeitreise in die 90er
Hier spielt Ebola Village seine Stärke aus – oder seine Schwäche, je nachdem, wie sehr du die „guten alten Zeiten“ vermisst. Das Spiel ist eine Liebeserklärung an das Survival-Horror-Genre der späten 90er Jahre, nur eben in der First-Person-Perspektive.
Inventar-Tetris und Ressourcen-Management
Erinnerst du dich an das Gefühl, wenn du ein wichtiges Schlüsselobjekt findest, aber dein Inventar voll ist? Willkommen zurück! Das Inventar-Management ist zentral. Du musst entscheiden: Munition oder Heilung? Schlüssel oder Waffe? Es gibt Lagerkisten (die natürlich untereinander verbunden sind), in denen du überschüssigen Kram ablegen kannst.

Heilung auf Russisch
Statt der bekannten grünen und roten Kräuter aus Raccoon City, nutzen wir hier… nun ja, russische Kräuter und „Behandlungen“, die verdächtig ähnlich funktionieren. Das Mischen von Gegenständen ist essenziell für das Überleben.
Das Kampfsystem
Es gibt Waffen, und du wirst sie brauchen.

- Pistole & Schrotflinte: Das Standard-Repertoire. Das Trefferfeedback ist „okay“. Köpfe platzen (buchstäblich), Gliedmaßen können abgetrennt werden.
- Gegnervielfalt: Von schlurfenden Dorfbewohnern über schnelle, spinnenartige Wesen bis hin zu Bossen, die eindeutig von Resident Evil inspiriert sind (ein gewisser großer Herr mit Hut lässt grüßen).
- Physik: Die Gegnerphysik ist oft unfreiwillig komisch, wenn Leichen durch die Gegend ragdollern, aber es erfüllt seinen Zweck.
Wichtig: Munition ist rar. Sehr rar. Auf den höheren der drei Schwierigkeitsgrade musst du jeden Schuss zählen oder die Beine in die Hand nehmen.
4. Rätsel-Guide & Lösungen: Wenn die Logik Urlaub macht
Ebola Village liebt seine Rätsel. Viele sind klassische „Finde Schlüssel A für Tür B“-Aufgaben, aber einige erfordern Codes oder Kombinationen. Damit du nicht frustriert den Controller in die Ecke wirfst, habe ich hier die wichtigsten Lösungen für den Start zusammengetragen.

Der Start in der Wohnung
Bevor du überhaupt das Dorf siehst, musst du aus deiner Wohnung entkommen.
- Sicherung: Suche im Flur nach der Sicherung.
- Sicherungskasten: Setze sie ein, um Licht im Badezimmer zu haben.
- Autoschlüssel: Jetzt kannst du das Bad betreten und die Schlüssel holen.
Wichtige Codes im Spiel
(Achtung: Diese können je nach Patch variieren, sind aber meistens fix)
- Der Spind im ersten Haus: Oft ist der Code 1853.
- Kirchen-Schloss: Probier es mit 1965.
- Der Safe hinter dem Bild: 1084.
Symbole und Schlüssel
Das Spiel nutzt ein System mit Kartensymbolen (Herz, Pik, Karo, Kreuz) für Schlüssel. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Halte die Augen offen nach Symbolen auf Türen – sie sagen dir genau, welchen Schlüssel du noch suchen musst.
5. Technik und Atmosphäre: Unreal Engine trifft Indie-Budget
Grafisch ist Ebola Village ein zweischneidiges Schwert.
- Die Umgebungen: Dank der Unreal Engine sehen manche Räume, besonders die beleuchteten Innenbereiche, überraschend detailliert und atmosphärisch aus. Der Nebel im Dorf, die verfallenen sowjetischen Bauten – das hat Stimmung.
- Die Modelle: Die Charaktermodelle hingegen wirken oft wie aus einem günstigen Asset-Store gekauft. Gesichter sind starr, Animationen hölzern.
- Sound: Ein Highlight sind die Umgebungsgeräusche. Das Knarren von Dielen, der Wind, ferne Schreie. Aber: Die Sprachausgabe ist (wenn vorhanden) oft hölzern und die englischen Untertitel strotzen vor Grammatikfehlern. Ein kurioser Bug: Manchmal setzt der Sound aus, wenn man ins Inventar geht.

Systemanforderungen:
Das Spiel ist nicht sonderlich hungrig.
- Minimum: Ryzen 3 / i5-7500, 8GB RAM, GTX 1050 Ti.
- Empfohlen: Installiert es auf einer SSD! Die Ladezeiten und Textur-Nachlader können auf einer HDD nerven.
6. Die Kontroverse: Plagiat oder Hommage?
Wir müssen darüber reden. Sony hat das Spiel kürzlich auf ihrem YouTube-Kanal beworben und die Kommentare waren… vernichtend. Viele warfen dem Spiel vor, ein dreister „Fake“ zu sein.
Und ja, Ebola Village bedient sich schamlos. Das Logo, das Setting, das Inventar, die Karten-Schlüssel. Aber: Es ist kein „Asset-Flip“ im klassischen Sinne, bei dem einfach nur Unity-Store-Pakete zusammengeklatscht wurden. Es steckt eine eigene (wenn auch wirre) Story und ein funktionierendes Spiel dahinter.
Die Entwickler, Indie Games Studio, sind ein sehr kleines Team (oft wird von einem Solo-Dev gesprochen). Wenn man das bedenkt, ist das Ergebnis beeindruckend. Es ist, als würde man einen B-Movie schauen, der „Terminator“ kopiert: Man weiß, es ist nicht das Original, aber es hat seinen eigenen, trashigen Unterhaltungswert.
7. Der Film zum Spiel
Kein Scherz: Das Spiel wurde in Verbindung mit einem Kurzfilm entwickelt. Dies zeigt zumindest den künstlerischen Anspruch der Macher, ein kleines Multimedia-Universum zu erschaffen. Der Film vertieft die Hintergründe des Virus und der Charaktere, ist aber für das Verständnis des Spiels nicht zwingend notwendig. Es ist ein nettes Gimmick für alle, die tiefer in die „Lore“ eintauchen wollen.
8. Fazit: Ein Fest für Trash-Horror-Fans
Ebola Village ist kein gutes Spiel im herkömmlichen Sinne. Es ist clunky, voller Bugs, schlecht übersetzt und unoriginell.
ABER: Es macht Spaß. Es hat diesen unbestreitbaren Charme eines Spiels, das unbedingt so sein will wie die Großen, aber nur das Budget für eine Schachtel Zigaretten und einen halben Wodka hatte.
Kaufempfehlung?
- Ja, wenn du: Alle Resident Evil Teile schon 10-mal durch hast, auf „Eurojank“ stehst und 15 Euro für einen Abend voller unfreiwilliger Komik und Old-School-Grusel übrig hast.
- Nein, wenn du: Ein poliertes AAA-Erlebnis erwartest, dich schlechte Animationen stören oder du Wert auf eine kohärente Story legst.
Für mich war Ebola Village wie ein Unfall – man kann nicht wegsehen, und am Ende ist man froh, dass man überlebt hat.
Bewertung: 6/10 (Trash-Faktor eingerechnet)
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