Review: The Perfect Pencil – Eine psychologische Odyssee durch das Königreich der Weißen Bestie
TL;DR – Das Wichtigste in Kürze
The Perfect Pencil ist weit mehr als nur ein weiterer Eintrag im überfüllten Metroidvania-Genre. Es ist eine tiefgründige, handgezeichnete Reise in die menschliche Psyche, die Angst, Trauma und Selbstfindung thematisiert. Entwickelt von Studio Cima und veröffentlicht am 29. Januar 2026, schlüpfst du in die Rolle von John – einem Protagonisten mit einem Kamerakopf –, der sich in einer surrealen Welt seinen Ängsten stellen muss.
Highlights:
Atmosphäre: Einzigartiger, handgezeichneter Artstyle, der an eine Mischung aus Hollow Knight und den surrealen Werken von David Lynch erinnert.
Story: Eine emotionale Parabel auf psychische Gesundheit mit sechs verschiedenen Enden und komplexen Charakteren, die psychologische Zustände repräsentieren.
Gameplay: Innovatives Heilungssystem („Courage“), das Aggression belohnt, gepaart mit solidem Platforming und einer „Analyse“-Mechanik, die die Lore vertieft.
Umfang: Rund 20 Stunden Spielzeit (bis zu 30 für Komplettisten) in einer riesigen, vernetzten Welt.
Kritikpunkte:
Das Kampfsystem beginnt etwas träge und erfordert Geduld.
Backtracking kann aufgrund spät freigeschalteter Schnellreise-Optionen mühsam sein.
Ein „Point of No Return“ kann das Erreichen bestimmter Enden in einem Durchgang verhindern.
Fazit: Ein Meisterwerk für Geduldige und Story-Liebhaber. Wer Gris oder Omori mochte, wird dieses Spiel lieben.
Inhaltsverzeichnis
- TL;DR – Das Wichtigste in Kürze
- 1. Einleitung: Wenn der Posteingang zur Pforte in den Wahnsinn wird
- 2. Entwicklungsgeschichte & Hintergrund: Studio Cimas Vision
- 3. Narrative Deep Dive: Das Königreich der Weißen Bestie
- 4. World Building & Atmosphäre: Ein handgezeichneter Fiebertraum
- 5. Gameplay-Mechaniken: Ein Tanz auf der Bleistiftspitze
- 6. Bosskämpfe: Konfrontationstherapie
- 7. Technik-Check: PC vs. Nintendo Switch
- 8. Kritik & Community-Stimmen: Nicht alles ist Gold, was glänzt
- 9. Fazit: Ein psychologisches Kunstwerk mit Ecken und Kanten
- 10. Datenblatt
- 11. Tipps für Einsteiger
- 12. Disclosure
1. Einleitung: Wenn der Posteingang zur Pforte in den Wahnsinn wird
Achtung: Spoiler und Triggerwarnung zur menschlichen Psyche, Ängste und Traumata vorab! Insbesondere in Kapitel 3!
Es gibt diese Momente im Leben eines Redakteurs, in denen eine einfache E-Mail mehr verspricht als nur einen weiteren Arbeitstag. Als ich im Januar die Nachricht des Senior Account Manager bei Plan of Attack, in meinem Posteingang fand, wusste ich sofort, dass The Perfect Pencil kein gewöhnliches Spiel sein würde. Der Betreff war schon relativ vielversprechend, doch der Inhalt – „Surreal Psychological Platformer“ – ließ meine Nackenhaare zu Berge stehen. Studio Cima, ein kleines Indie-Team aus Mailand, hatte sich nichts Geringeres vorgenommen, als die Komplexität der menschlichen Angst in ein Videospiel zu gießen.
Die Vorfreude war greifbar. Wir hatten bereits im Herbst 2024 die ersten Trailer gesehen und die Einladung zur Gamescom-Demo erhalten, die einen „völlig neuen Bereich“ und einen „wichtigen narrativen Abschnitt“ versprach. Nun, fast zwei Jahre später, war es endlich so weit. Das Spiel startete am 29. Januar 2026 auf PC und Nintendo Switch, und ich hatte die Gelegenheit, tief in das Königreich der Weißen Bestie einzutauchen.
Was folgt, ist nicht nur ein Test. Es ist eine Autopsie meiner Erfahrungen mit John, dem Jungen mit dem Kamerakopf. Es ist eine Analyse der 20 Stunden, die ich damit verbracht habe, Kissenmonster zu bekämpfen, bizarre Rätsel zu lösen und mich in einer Welt zu verlieren, die so wunderschön wie verstörend ist. Ich werde jeden Aspekt beleuchten – von der technischen Performance auf der Switch bis hin zur tiefen psychologischen Symbolik der Bosskämpfe. Mach dich bereit für eine lange Lektüre, denn dieses Spiel verdient keine Kurzfassung.
2. Entwicklungsgeschichte & Hintergrund: Studio Cimas Vision

Bevor wir den ersten virtuellen Schritt tun, müssen wir verstehen, woher dieses Spiel kommt. Studio Cima wurde 2019 gegründet und hat seinen Sitz in Italien. In ihren Press-Kits und E-Mails betonen sie immer wieder, dass The Perfect Pencil auf persönlichen Erfahrungen mit psychischen Problemen und Angstzuständen basiert. Das ist kein Marketing-Gimmick. Es ist die DNA des Spiels.
Der Weg zum Release
Die Entwicklung war ein langer Prozess. Bereits 2024 wurde das Spiel auf der Gamescom präsentiert, wo Journalisten erste Hand-On-Erfahrungen sammeln konnten. Die Kommunikation des Studios war dabei stets transparent und herzlich. Luca von Studio Cima schrieb in einer E-Mail über die „Gamescom Demo“, dass sie zeigen wollten, wie das Spiel „die Tiefen des menschlichen Geistes“ erforscht.
Interessant ist hierbei die Evolution des Projekts. Ursprünglich für einen früheren Release geplant, wurde das Fenster auf „Frühling 2025“ und schließlich auf den Januar 2026 geschoben. Diese Verschiebungen haben dem Spiel sichtlich gutgetan. Der Artstyle wirkt poliert, die Animationen flüssig. Es ist ein klassisches Beispiel für „Gut Ding will Weile haben“. Die Zusammenarbeit mit Doyoyo Games als Publisher hat dem Titel zudem die nötige Reichweite verschafft.
3. Narrative Deep Dive: Das Königreich der Weißen Bestie
Die Geschichte von The Perfect Pencil beginnt abrupt und mysteriös. Du erwachst als John. Dein Kopf fehlt. Stattdessen wird dir kurz nach Spielbeginn eine alte Filmkamera (oder ein Projektor) aufgesetzt. Du befindest dich im „Königreich der Weißen Bestie“ – einer surrealen Welt, die, wie das Spiel selbst warnt, „die zerrüttete innere Psyche“ des Protagonisten darstellt.
John und die Symbolik des Beobachters
Warum eine Kamera als Kopf? Diese Designentscheidung ist brillant. John ist nicht nur ein Akteur; er ist ein Beobachter. Seine primäre Fähigkeit neben dem Kampf ist die „Analyse“. Er sieht Dinge, die anderen verborgen bleiben. Er dokumentiert, er analysiert, er versteht. In einer Welt, die von irrationalen Ängsten regiert wird, ist die objektive Beobachtung – die Kamera – die stärkste Waffe. Sie erlaubt es John (und dir), Distanz zu wahren und die Monster als das zu erkennen, was sie sind: Manifestationen von Gefühlen.
Die Weiße Bestie (The White Beast)
Die Antagonistin, oft nur als „Sie“ (She) bezeichnet, ist die Weiße Bestie. Sie hat das Königreich ins Chaos gestürzt. Doch ist sie wirklich böse? Oder ist sie, wie so oft in psychologischen Horrorspielen, ein Teil von John selbst? Das Spiel lässt dich lange im Unklaren. Die Bestie repräsentiert die Angst in ihrer reinsten Form – überwältigend, lähmend und allgegenwärtig. Dein Ziel ist es, sie entweder zu besiegen oder einen Weg zu finden, ihr zu entkommen.
Die „Man-Babies“ und andere Bewohner
Die NPCs in The Perfect Pencil gehören zu den skurrilsten, die mir je in einem Videospiel begegnet sind. Ein Paradebeispiel sind die „Man-Babies“ – erwachsene Männer, die sich in Kissenburgen verschanzen oder in riesigen Kinderwagen liegen. Sie sind keine Feinde im klassischen Sinn, sondern Opfer ihrer eigenen Regression. Aus Angst vor der Welt und der Verantwortung haben sie sich in einen Zustand kindlicher Hilflosigkeit zurückgezogen. Sie bewerfen dich mit Kissen, nicht um dich zu töten, sondern um dich wegzustoßen, damit ihre fragile Sicherheitsblase nicht platzt.

Ein weiterer wichtiger Charakter ist Gaston (oder manchmal Geruald genannt, je nach Übersetzung/Kontext), der dich auf deiner Reise begleitet oder behindert. Diese Figuren sprechen oft in Rätseln, die typisch für das Genre sind, aber hier eine doppelte Ebene haben: Sie sprechen über die Spielwelt, aber auch über Johns psychischen Zustand.
Die 6 Enden: Dein Weg, deine Wahl
Ein Aspekt, der mich besonders fasziniert (und manchmal frustriert) hat, sind die sechs verschiedenen Enden. Das Spiel verfolgt deine Entscheidungen subtil. Bist du ein verständnisvoller Freund? Oder ein rücksichtsloser Kämpfer? Es gibt einen kritischen Punkt im Spiel, einen „Point of No Return“, vor dem das Spiel dich nicht explizit warnt. Das hat in der Community für Diskussionen gesorgt. Ein Reddit-User warnte: „Du wirst eine Entscheidung treffen, ohne zu merken, dass es eine riiiiiesige Entscheidung ist“. Das passt thematisch perfekt – im echten Leben wissen wir auch oft nicht, welche Entscheidung unser Schicksal besiegelt –, ist aber für Komplettisten ein Albtraum. Man kann nicht alle Enden in einem Durchgang sehen. Man muss das Spiel mehrfach spielen oder sehr genau planen.
| Ende | Bedingung (Indikativ) | Psychologische Bedeutung |
| Flucht | Verlasse das Königreich, ohne die Bestie zu stellen. | Verdrängung der Angst. |
| Konfrontation | Besiege die Weiße Bestie im Kampf. | Überwindung durch Aggression/Dominanz. |
| Akzeptanz | Finde einen Weg, mit der Bestie zu koexistieren (spekulativ). | Integration des Traumas. |
| Regression | Schließe dich den Man-Babies an (spekulativ/Bad Ending). | Aufgeben und Rückzug. |
(Hinweis: Die genauen Bedingungen für alle 6 Enden sind komplex und hängen von Dialogoptionen und Sidequests ab, siehe Abschnitt „5. Gameplay-Mechaniken …“ für Details zum Entscheidungssystem.)
4. World Building & Atmosphäre: Ein handgezeichneter Fiebertraum
Wenn Hollow Knight und ein Salvador-Dalí-Gemälde ein Kind hätten, es wäre The Perfect Pencil. Die Welt ist komplett handgezeichnet. Jeder Strich wirkt bewusst gesetzt, jede Unregelmäßigkeit gewollt. Es gibt keine geraden Linien in der menschlichen Psyche, und so gibt es auch keine in diesem Spiel.
Biome-Analyse: Eine Karte der Seele
Die Welt ist in verschiedene Biome unterteilt, die jeweils ein psychologisches Thema repräsentieren.
1. The Soft Forest (Der weiche Wald)
Dies ist dein Startgebiet. Auf den ersten Blick wirkt es gemütlich, fast einladend. Überall liegen Kissen und Matratzen. Doch der Schein trügt. Die „Weichheit“ steht hier für Erstarrung, für das „Sich-Gehen-Lassen“ und die Unfähigkeit, aufzustehen. Die Gegner hier wollen dich nicht zerfleischen; sie wollen dich ersticken – mit Komfort. Du triffst auf „Pillow Monsters“, die sich in Matratzen verstecken und dich überrollen wollen. Es gibt „Pillow Quicksands“, in denen du versinkst, wenn du stehen bleibst. Die Botschaft ist klar: Zu viel Komfort ist tödlich für das Wachstum.

2. The Yellow Mine (Die gelbe Mine)
Unterhalb des weichen Waldes liegt die Gelbe Mine. Hier ändert sich die Atmosphäre radikal. Es ist eng, industriell, und es geht um Arbeit und Verdrängung. Hier triffst du auf Geruald und erhältst die „Project Bomb“-Fähigkeit. Die Mine symbolisiert das Graben nach verdrängten Erinnerungen, die harte Arbeit der Selbstreflexion, die oft schmerzhaft ist.

3. The Hotel (Das Hotel)
Ein Ort des Transits. Hotels sind unpersönlich, temporär. Im Spiel ist das Hotel ein Labyrinth aus Türen und Korridoren, bewohnt von Charakteren, die auf der Durchreise sind oder feststecken. Hier begegnest du einem NPC auf einer Brücke, der dich von hinten umarmt, um dich zu stoppen – ein Symbol für toxische Anhänglichkeit („Clinging“). Du musst dich befreien, was zum Tod des NPCs führt. Eine brutale Lektion über das Loslassen.

4. Cypress Desert & Aurora (Spätere Gebiete)
Diese Areale öffnen die Welt weiter. Die Zypressenwüste (Cypress Desert) ist ein Ort der Leere und Isolation, während Aurora Hoffnung oder Erleuchtung symbolisiert. Die visuelle Abwechslung ist enorm und hält die Motivation hoch.

Audio & Soundtrack: Der Klang der Stille
Der Soundtrack ist minimalistisch und effektiv. Oft herrscht Stille, unterbrochen von unheimlichen Ambient-Geräuschen. Wenn Musik einsetzt, ist sie melancholisch oder treibend in Bosskämpfen. Das Sounddesign unterstützt das Gefühl der Isolation. Das „Pingen“ deines Radars (dazu später mehr) wird zu einem der wichtigsten akustischen Signale im Spiel.

5. Gameplay-Mechaniken: Ein Tanz auf der Bleistiftspitze
The Perfect Pencil ist im Kern ein Metroidvania. Das bedeutet: Erkundung, Backtracking, Freischalten neuer Fähigkeiten, um neue Wege zu öffnen. Doch Studio Cima hat einige interessante Twists eingebaut.
Der Kampf: Der Bleistift als Schwert
Deine Waffe ist, wenig überraschend, ein Bleistift. Das Kampfsystem ist anfangs simpel: Schlagen, Springen, Ausweichen. Doch es gewinnt an Tiefe durch die „Pogo“-Mechanik. Ähnlich wie in Hollow Knight oder DuckTales kannst du auf Gegnern oder Stacheln hüpfen, indem du nach unten schlägst. Das ist essenziell für das Platforming und erlaubt es dir, in Kämpfen mobil zu bleiben. Einige Spieler (Reddit) kritisierten, dass sich der Kampf anfangs „langsam“ anfühlt und man nicht „unendlich pogo-en“ kann, ohne eine entsprechende Einstellung zu aktivieren. Das ist gewollt. Jeder Schlag hat Gewicht. Es ist kein Hack-and-Slash; es ist ein taktischer Tanz.

Das Heilungssystem: Courage (Mut)
Hier zeigt sich die thematische Tiefe im Gameplay. Es gibt keine klassischen Heiltränke, die du horten kannst. Stattdessen musst du „Courage“ aufbauen, indem du Gegner triffst. Jeder Treffer füllt eine Leiste („Hit Bank“ oder „Juice“). Ist sie voll genug, kannst du einen „Healing Strike“ (Heilenden Schlag) ausführen. Das bedeutet: Wenn du fast tot bist und Angst hast, musst du angreifen, um zu überleben. Weglaufen heilt dich nicht. Nur die Konfrontation mit der Angst (dem Gegner) bringt Heilung. Das ist eine brillante ludonarrative Dissonanz-Vermeidung. Die Mechanik ist die Botschaft.

Die „Analyse“-Fähigkeit: Die Welt sehen, wie sie ist
Dank deines Kamerakopfs besitzt du die „Analyse“-Fähigkeit. Ein Radar pingt, wenn interaktive Objekte oder Geheimnisse in der Nähe sind. Je näher du kommst, desto schneller das Pingen und desto stärker die Vibration des Controllers. Wenn du scannst, enthüllst du verborgene Lore oder veränderst die Welt. Ein Schalter ist vielleicht gar kein Schalter, sondern ein Lebewesen. Eine Wand ist vielleicht eine Illusion. Diese Fähigkeit ist der Schlüssel zu den Geheimnissen des Spiels und beeinflusst direkt die Entscheidungen, die du triffst. Sie zwingt dich, nicht nur durch die Welt zu rennen, sondern innezuhalten und hinzusehen.

Progression & „Perspectives“
Statt eines klassischen Skill-Trees sammelst du „Perspectives“ (Perspektiven). Diese fungieren wie Amulette in Hollow Knight. Sie geben Boni (z.B. mehr Schaden), haben aber oft auch Nachteile. Interessant ist das Evolutionssystem: Wenn du eine Perspektive lange nutzt, kann sie „evolvieren“, was sowohl ihre positiven als auch negativen Effekte verstärkt. Das symbolisiert, wie sich festgefahrene Sichtweisen im Laufe der Zeit verhärten – zum Guten oder/und zum Schlechten.

6. Bosskämpfe: Konfrontationstherapie
Die Bosse sind die Höhepunkte des Spiels. Sie sind monströse Manifestationen psychologischer Konflikte.

Der Kissen-Boss (Pillow Boss)
Einer der ersten Bosse im Soft Forest. Er versteckt sich in einer Matratze und versucht, dich zu überrollen. Der Kampf wirkt fast lächerlich – ein riesiger Haufen Bettzeug, der dich angreift –, ist aber tödlich. Er symbolisiert die erdrückende Last der Depression, den Wunsch, einfach liegen zu bleiben. Um ihn zu besiegen, musst du mobil bleiben und ihn aus seiner Komfortzone zwingen.
Barazel
Ein späterer Boss, der in mehreren Phasen bekämpft wird. Der Name könnte eine Anspielung auf biblische Dämonen oder Engel sein, was zur mystischen Atmosphäre passt. Der Kampf gegen Barazel ist fordernd und verlangt präzises Pogo-Jumping und den Einsatz aller gelernten Fähigkeiten.
Fear (Die Angst)
Es gibt Kämpfe gegen „Fear“ und „Fear 2“. Dies sind direkte Konfrontationen mit der Urangst. Diese Kämpfe sind oft chaotisch, visuell überwältigend und sollen dich an deine Grenzen bringen. Sie sind der ultimative Test für dein „Courage“-Management.

7. Technik-Check: PC vs. Nintendo Switch
Da ich das Spiel auf beiden Plattformen testen konnte (danke nochmals an Studio Cima für den PC-Code. Die Switch Version war meine eigene), hier der direkte Vergleich.

Nintendo Switch Performance
Die Switch-Version ist überraschend performant.
Ladezeiten: Extrem kurz, oft nur 2-3 Sekunden zwischen Gebieten. Das ist für ein Metroidvania, bei dem man oft den Raum wechselt, ein Segen.
Optik: Auf dem OLED-Modell sieht der handgezeichnete Stil mit seinen tiefen Schwarzwerten fantastisch aus.
Performance: Es läuft weitgehend flüssig mit 60 FPS. Es gibt Berichte über leichtes „Shimmering“ (Flimmern) bei der Skalierung im Docked-Modus auf großen 4K-Fernsehern, da die native Auflösung der Switch hier an ihre Grenzen kommt, aber im Handheld-Modus ist es scharf.
Fazit: Eine hervorragende Version für unterwegs. Das Spiel fühlt sich auf der Switch „zu Hause“ an.
PC (Steam) & Steam Deck
Grafik: Auf dem PC glänzt das Spiel natürlich mit höheren Auflösungen. Die Linien sind gestochen scharf, die Farben poppen mehr.
Steuerung: Maus und Tastatur werden unterstützt, aber ich empfehle dringend einen Controller. Das Spiel ist auf Gamepad-Inputs ausgelegt (Vibration beim Scannen!).
Steam Deck: Das Spiel ist „Verified“ und läuft perfekt auf dem Deck. Es ist fast die ideale Art, es zu spielen – die Performance des PC mit dem Formfaktor der Switch.
8. Kritik & Community-Stimmen: Nicht alles ist Gold, was glänzt
Kein Spiel ist perfekt, und auch The Perfect Pencil hat seine Ecken und Kanten.

Das Backtracking-Problem
Ein häufiger Kritikpunkt in der Community ist das Backtracking. Die Schnellreise-Optionen (Shortcuts zu einem Hub-Raum) werden erst relativ spät freigeschaltet und sind oft ungünstig platziert. Das bedeutet, dass du in der ersten Spielhälfte viel laufen musst. Wenn du stirbst, können die „Runbacks“ zu deinem Leichnam (um verlorene Ressourcen zu holen) lang und frustrierend sein.
Die Karte
Die In-Game-Karte ist wunderschön gezeichnet, aber funktional manchmal etwas vage. Es fehlen automatische Marker für alle Collectibles oder NPCs. Für Spieler, die gerne 100% erreichen wollen, bedeutet das: Zettel und Stift (welch Ironie 😛 )bereithalten oder sich auf das eigene Gedächtnis verlassen. In Zeiten von modernen „Quality of Life“-Features wirkt das etwas altbacken, auch wenn es zur „Lost in a strange world“-Atmosphäre beiträgt.
Vage Ziele
Das Spiel hält dich nicht an der Hand. „Go off the beaten path“ ist das Motto. Das ist toll für Entdecker, kann aber zu Frust führen, wenn man einfach nur wissen will, wo es weitergeht. Manchmal ist unklar, welche Fähigkeit man für welches Hindernis braucht.
9. Fazit: Ein psychologisches Kunstwerk mit Ecken und Kanten
The Perfect Pencil ist ein Spiel, das mich noch lange nach dem Abspann beschäftigt hat. Es ist keine leichte Kost – weder spielerisch noch thematisch. Es verlangt von dir, dass du dich auf seine bizarre Logik einlässt, dass du Geduld mitbringst für die langen Laufwege und dass du bereit bist, über deine eigenen Ängste nachzudenken.

Studio Cima hat hier ein Debüt abgeliefert, das vor Herzblut nur so strotzt. Die Parallelen zu Hollow Knight sind unverkennbar, aber The Perfect Pencil findet seine eigene Stimme durch den starken Fokus auf psychologische Narration und das einzigartige Heilungssystem.
Für wen ist dieses Spiel?
Wenn du Spiele wie Gris, Celeste oder Omori liebst, die Gameplay mit tiefer Bedeutung verweben: Kauf es sofort.
Wenn du ein solides Metroidvania suchst und dich nicht an etwas langsamerem Pacing störst: Gib ihm eine Chance.
Wenn du reine Action suchst und „Story-Gequatsche“ hasst: Finger weg.
Meine persönliche Wertung: 8.5/10. Es ist nicht perfekt – der Bleistift muss an manchen Stellen noch gespitzt werden (Backtracking, Map) – aber es ist ein Kunstwerk, das man erlebt haben sollte.
10. Datenblatt
| Merkmal | Detail |
| Titel | The Perfect Pencil |
| Entwickler | Studio Cima (Italien) |
| Publisher | Doyoyo Games |
| Release | 29. Januar 2026 |
| Plattformen | PC (Steam), Nintendo Switch |
| Genre | Metroidvania, Action-Platformer, Psychological Horror |
| Spielzeit | ca. 20 Stunden (Main Story), 30+ (100%) |
| Sprachen | 9 Sprachen (inkl. Deutsch, Englisch, Italienisch, Chinesisch) |
| Preis | ca. 19,99 € (Launch-Preis) |
| Steam Deck | Verified |
11. Tipps für Einsteiger
Sei aggressiv: Vergiss nicht, dass du angreifen musst, um zu heilen. Zögern ist der Tod.
Scanne alles: Dein Kopf vibriert nicht umsonst. Jede Lore-Information kann wichtig für das Ende sein.
Nutze eigene Marker/Notizen: Da die Map keine Marker hat, mach dir Notizen oder Screenshots von Orten, die du noch nicht erreichen kannst.
Hör auf die Stille: Der Soundtrack gibt oft Hinweise auf versteckte Räume oder Gefahren.
Achte auf den Point of No Return: Wenn das Spiel andeutet, dass eine Entscheidung endgültig ist – glaub ihm. Mach vorher alles fertig, was du tun willst.
Ich hoffe, dieser Deep Dive hilft dir bei deiner Entscheidung. Wir sehen uns im Königreich der Weißen Bestie – vergiss deinen Bleistift nicht!
12. Disclosure
Wir haben ein kostenloses Rezensionsexemplar (Demo) dieses Produkts für den PC erhalten.
Die Switch-Version haben wir selbst gekauft.




